Die Nacht war kaum verblühet,

Nur eine Lerche sang

Die stille Luft entlang.

Wen grüßt sie schon so frühe?

 

Und draußen in dem Garten

Die Bäume übers Haus

Sahn weit ins Land hinaus,

Als ob sie wen erwarten.

 

In festlichen Gewanden

Wie eine Kinderschar,

Tauperlen in dem Haar,

Die Blumen alle standen.

 

Ich dacht: ihr kleinen Bräute,

Was schmückt ihr euch so sehr? -

Da blickt′ die eine her:

»Still, still, ′s ist Sonntag heute.«

 

»Schon klingen Morgenglocken,

Der liebe Gott nun bald

Geht durch den stillen Wald.«

Da kniet ich froherschrocken.


Das Gedicht "Sonntag" stammt von (* 1788-03-10, † 1857-11-26).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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