Sinds die Häuser, sinds die Gassen?

Ach, ich weiß nicht wo ich bin!

Hab ein Liebchen hier gelassen,

Und manch Jahr ging seitdem hin.

 

Aus den Fenstern schöne Frauen

Sehn mir freundlich ins Gesicht,

Keine kann so frischlich schauen,

Als mein liebes Liebchen sicht.

 

An dem Hause poch ich bange -

Doch die Fenster stehen leer,

Ausgezogen ist sie lange,

Und es kennt mich keiner mehr.

 

Und ringsum ein Rufen, Handeln,

Schmucke Waren, bunter Schein,

Herrn und Damen gehn und wandeln

Zwischendurch in bunten Reihn.

 

Zierlich Bücken, freundlich Blicken,

Manches flüchtge Liebeswort,

Händedrücken, heimlich Nicken -

Nimmt sie all der Strom mit fort.

 

Und mein Liebchen sah ich eben

Traurig in dem lustgen Schwarm,

Und ein schöner Herr daneben

Führt′ sie stolz und ernst am Arm.

 

Doch verblaßt war Mund und Wange,

Und gebrochen war ihr Blick,

Seltsam schaut′ sie stumm und lange,

Lange noch auf mich zurück. -

 

Und es endet Tag und Scherzen,

Durch die Gassen pfeift der Wind -

Keiner weiß, wie unsre Herzen

Tief von Schmerz zerrissen sind.


Das Gedicht "Jahrmarkt" stammt von   (1788 - 1857).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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