Ein Hering liebt eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und Trachten
Ein Kuss von ihrem Mund.
Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.
Nur eines Tages erschloss sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
Beschaun ihr Antlitz klar.
Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht, an einem Kusse
In Ehren sich zu freun.
0 Hering, armer Hering,
Wie schwer bist du blamiert!
Sie schloss in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.
Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht: "In meinem Leben
Lieb ich keine Auster mehr!"
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Empfehlungen
Passend zur Thematik, ein paar ausgesuchte Gedichte anderer Autoren:
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte