Entfernter Freund!

Um den auf immer

Im stillen Zimmer

Mein Auge weint;

Dann, wenn die Sterne

Am Himmel blinken,

Und Liebe winken,

Denk ich der Ferne

In der du, ach!

Jetzt um mich leidest,

Und Freuden meidest,

Mit Thränen nach.

Und wenn mein Freund

Im Stralenkleide,

Zu meinem Leide

Mitleidig scheint;

 

Da werf ich mich,

Mit stummen Sehnen

Und tausend Thränen -

O! sähst du mich!

An jene Flüsse

Zur Erde nieder,

Die unsre Lieder

Und unsere Küsse

Beym Sternenschein

So oft belauschten,

und sanfter rauschten

Durch diesen Hayn -

Ach! keine Lieder

Und keine Küsse,

Ihr - Hayn - und Flüsse!

Belauscht ihr wieder -

Und denk an dich,

An jene Zeiten,

So voller Freuden

Für mich und dich;

 

Dann ruf ich dich

Durch alle Wälder,

Durch Thal und Felder

Als hört′st du mich.

Und wüst und schaurig

Ist Hayn - und Trifte,

Wie Todtengrüfte,

So bang und traurig.

O! Mond und Sterne,

Blickt tausend Küsse

Und tausend Grüsse

Dem in der Ferne,

Ihr könnt′ ihn finden!

So ruf und weine

Ich oft alleine

In öden Gründen.

So lächelt dir

Der Mond oft Küsse

So traurig süsse

Mein Freund von mir.


Das Gedicht "Sehnsucht" stammt von   (1757 - 1840).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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