Sey leiser hier, du meines Kummers Klage,

Und seufze nur, was mich zu Gräbern beugt;

Verzeiht - verzeiht, ihr Todten, daß ichs wage

Zu jammern, wo des Schmerzes Stimme schweigt.

 

Nichts kann der Gräber stolze Ruhe stören,

Der Friede wohnt im stillen Schattenreich;

Drum will ich heilig eure Thäler ehren,

Ach! er, mein Herzensfreund, wohnt unter euch.

 

Mein Freund, der wieder all die süßen Bande,

Die längst die Welt von meinem Herzen riß,

Sanft knüpft′, und mir im finstern Wechsellande

Elisiums ewig daurend Glück verhieß.

 

Die heiße Stirn gelehnt am kalten Steine,

Der meiner Trauer stummen Hügel deckt;

Rinnt sanft, ihr Thränen! wie im Frühlingshayne

Des Morgens Thau, der junge Rosen weckt.

 

Sie fließen nicht, dich Freyen zu beklagen,

Der nicht im Kerker der Verwesung wohnt;

Dir jauchz′ ich zu, dem nun nach schwülen Tagen

Das kühle Wehn der Dulderpalme lohnt.

 

Dort seh ich dich den großen Morgen feyern,

Der nur an jenem Purpurufer tagt;

Wohin keins von des Lebens Ungeheuern

Durch Gottes Wachen sich hinüber wagt.

 

Nur mir, nur mir Gesunknen rinnt die Zähre,

Nur mich Verlaßne klagt dies Thränenlied;

Mir ist die Welt nur eine öde Leere,

Wo mir allein kein stiller Hügel blüht.

 

Er deckt mit dir auch alle bleichen Schrecken,

Die Gruft und Tod mir einstens schaudernd gab;

So muß die Nacht den jungen Morgen wecken,

Du starbst - und Heymath wird mir Tod und Grab.

 

Umschlungen unsrer schönsten Hoffnung Büste

Späh ich, ob bald der Kahn herüber schwimmt,

Der mich von der Verwesung schwarzen Küste

Zu dir - zu dir, mein Freund, hinüber nimmt.


Das Gedicht "Lied auf dem Kirchhofe" stammt von   (1757 - 1840).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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