Meine Seele war bey dir

Ich stand an deinem Sterbebette

Hörte den lezten ängstlichen Athemzug

Deiner heisen Brust -

Sahe den Blik,

Der mir so oft lächelte -

Sich trüben - brechen -

Und endlich hinstarren,

Auf dieser Welt nichts mehr suchend.

 

Da warf ich mich auf dich hin

Schüttelte dich

Rief dir

Und wollte dich mit meinen heissen Thränen erwärmen.

 

Aber du bliebst kalt

Und stumm.

 

Sie legten dich in eben den Sarg

Den ich und Du

So oft Schlafstelle genannt hatten.

Aber da sie dich hineinschlossen

War er mir Sarg

War er mir die fürchterliche Hölle

Der Vernichtung.

Nicht nur dein Mensch von Erde

Sollte verwesen

Du selbst wurdest verriegelt

Um nimmermehr wieder hervorzugehen.

Sie trugen dich fort

Zitternd stürzte ich mich durch die schwarze Reyhe

 

Umschlang deinen Sarg -

Aber sie rissen mich weg

Und als ich mich wiederfand

Stand ich allein an deinem Grabe

Und mein Blik

Schauderte die fürchterliche Tiefe herab,

Die uns auf ewig trennte;

Und doch verlies mich

Die stumme Verzweiflung

Die meine Seele ergriff

Als sie dich einsenkten;

Mir wars

Wie wenn ich in einer stürmischen

Rabenschwarzen Nacht

Meinen Weg verloren hätte,

Und in Klippen geriethe

Wo ich aufgeben muste,

Ihn diese Nacht zu finden;

Aber doch gegen Osten stand

Wo ich so ganz gewis wuste -

Daß der Morgen wiederkommen müßte.


Das Gedicht "An Henriette Froriep" stammt von   (1757 - 1840).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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