Du liebest mich!

Mir blüht die Rose wieder

In neu erwachter Gluth;

Mir tönen meines Haynes Lieder,

Mir braußt der Sturm, mir rauscht der Elbe Fluth:

Du liebest mich!

 

Ich liebe dich!

Mir lispelts durch die Bäume,

Mir rufts des Morgens Pracht,

Und in des Lebens kleinsten Keime,

In Dämmerung, in schwarzer Mitternacht:

Ich liebe dich!

 

Du liebest mich!

Der ganzen Schöpfung Fülle

Gehört uns beyden nur.

Des Lebens Puls, noch jüngst so stille,

Hüpft glühend durch die Adern der Natur:

Du liebest mich!

 

Ich liebe dich!

Von deinem Arm umschlungen,

Fühl ich unsterblich seyn;

Von deiner Liebe Kuß durchdrungen,

Kein Leichentuch hüllt das Entzücken ein:

Ich liebe dich!

 

Du liebest mich!

Des Todes kalte Stunde

Schmilzt unsers Herzens Gluth!

Die Flammen in der Seelen Bunde

Löscht nicht der Tod - nicht Lethes schwarze Fluth:

Du liebest mich!


Das Gedicht "An Ferdinand" stammt von   (1757 - 1840).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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