Mich rührt kein finstrer Weiser,

Der seine Stirn beständig

Mit Falten überziehet,

Und der nur von Monaden,

Von andern schlechten Welten,

Und von der Seelen Nahrung

In Räthseln mit mir redet.

Auch der nicht, der nur Zahlen,

Nie aber Scherz und Küsse

Quadriret und cubiret,

Und der aus unsern Körpern

Nur die Mechanik lernet.

Auch nicht der stolze Dummkopf,

Der immer disputiret;

Der unter Popens Schöpsen

Den ersten Rang verdiente,

Weil er sich selbst vergöttert,

Und in sich selbst die Dummheit;

Der keine Pflicht sonst übet,

Als solche, die ihn zwingen.

Der Dummkopf würde täglich

Um Küsse mit mir rechten,

Und mich mir gar zu ofte

Mit Schreyen übertäuben.

Soll mir ein Freund gefallen,

So muß er weislich denken;

Er muß die Wissenschaften

Verstehen und verehren,

Doch muß die ernste Weisheit

Nie sein Gesicht entstellen.

Er muß die frohen Scherze,

Doch feuerreiche Scherze,

In seinen Umgang mischen,

Und muß die süßen Triebe

Der Freundschaft in sich fühlen.

Ein solcher Freund ist Damis.


Das Gedicht "Mein Geschmack" stammt von (* 1725-11-25, † 1782-01-29).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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