Verteilet euch nach allen Regionen

Von diesem heil′gen Schmaus!

Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen

Ins All und füllt es aus!

 

Schon schwebet ihr in ungemeßnen Fernen

Den sel′gen Göttertraum

Und leuchtet neu, gesellig, unter Sternen

Im lichtbesäten Raum.

 

Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,

Ins Weit′ und Weitr′ hinan.

Das Labyrinth der Sonnen und Planeten

Durchschneidet eure Bahn.

 

Ihr greifet rasch nach ungeformten Erden

Und wirket schöpfrisch jung,

Daß sie belebt und stets belebter werden,

Im abgemeßnen Schwung.

 

Und kreisend führt ihr in bewegten Lüften

Den wandelbaren Flor

Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften

Die festen Formen vor.

 

Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen

Zu übertreffen strebt;

Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen,

Und jedes Stäubchen lebt.

 

Und so verdrängt mit liebevollem Streiten

Der feuchten Qualme Nacht!

Nun glühen schon des Paradieses Weiten

In überbunter Pracht.

 

Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,

Gestaltenreiche Schar,

Und ihr erstaunt auf den beglückten Auen

Nun als das erste Paar,

 

Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben

Im sel′gen Wechselblick.

Und so empfangt mit Dank das schönste Leben

Vom All ins All zurück.


Das Gedicht "Weltseele" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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