Ich hab′ mein Sach′ auf Nichts gestellt,

Juchhe!

Drum ist′s so wohl mir in der Welt.

Juchhe!

Und wer will mein Kamerade sein,

Der stoße mit an, der stimme mit ein,

Bei dieser Neige Wein!

 

Ich stellt′ mein Sach′ auf Geld und Gut.

Juchhe!

Darüber verlor ich Freud′ und Mut.

O weh!

Die Münze rollte hier und dort,

Und hascht′ ich sie an einem Ort,

Am andern war sie fort.

 

Auf Weiber stellt′ ich nun mein′ Sach′.

Juchhe!

Daher mir kam viel Ungemach.

O weh!

Die Falsche sucht′ sich ein ander Teil,

Die Treue macht′ mir Langeweil;

Die Beste war nicht feil.

 

Ich stellt′ mein Sach′ auf Reis′ und Fahrt.

Juchhe!

Und ließ meine Vaterlandesart.

O weh!

Und mir behagt′ es nirgends recht;

Die Kost war fremd, das Bett war schlecht,

Niemand verstand mich recht.

 

Ich stellt′ mein′ Sach′ auf Ruhm und Ehr′.

Juchhe!

Und sieh! gleich hatt′ ein andrer mehr.

O weh!

Wie ich mich hatt′ hervorgetan,

Da sahen die Leute scheel mich an,

Hatte keinem recht getan.

 

Ich setzt′ mein Sach′ auf Kampf und Krieg.

Juchhe!

Und uns gelang so mancher Sieg.

Juchhe!

Wir zogen in Feindes Land hinein,

Dem Freunde sollt′s nicht viel besser sein,

Und ich verlor ein Bein.

 

Nun hab′ ich mein Sach′ auf Nichts gestellt.

Juchhe!

Und mein gehört die ganze Welt.

Juchhe!

Zu Ende geht nun Sang und Schmaus.

Nur trinkt mir alle Neigen aus;

Die letzte muß heraus!

Anmerkung: Das Gedicht von Goethe ist eine Parodie auf das Lied „Ich hab mein Sach Gott heimgestellt“ des Mystikers Adam Reusner.
Die Ode Vanitas! Vanitatum Vanitas! (lat. Eitelkeit! Der Eitelkeiten Eitelkeit!) stammt des Barock-Dichter Andreas Gryphius thematisiert die Nichtigkeit und Vergänglichkeit (lat. vanitas) alles Irdischen.


Das Gedicht "Vanitas! Vanitatum vanitas!" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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