Die Sonne, Helios der Griechen,

Fährt prächtig auf der Himmelsbahn,

Gewiß, das Weltall zu besiegen,

Blickt er umher, hinab, hinan.

 

Er sieht die schönste Göttin weinen,

Die Wolkentochter, Himmelskind,

Ihr scheint er nur allein zu scheinen;

Für alle heitre Räume blind,

 

Versenkt er sich in Schmerz und Schauer,

Und häuf′ger quillt ihr Tränenguß:

Er sendet Lust in ihre Trauer

Und jeder Perle Kuß auf Kuß.

 

Nun fühlt sie tief des Blicks Gewalten,

Und unverwandt schaut sie hinauf;

Die Perlen wollen sich gestalten:

Denn jede nahm sein Bildnis auf.

 

Und so, umkränzt von Farb und Bogen,

Erheitert leuchtet ihr Gesicht,

Entgegen kommt er ihr gezogen;

Doch er, doch ach! erreicht sie nicht.

 

So, nach des Schicksals hartem Lose,

Weichst du mir, Lieblichste, davon;

Und wär ich Helios der Große,

Was nützte mir der Wagenthron?


Das Gedicht "Hochbild" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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