Lasset heut im edeln Kreis

Meine Warnung gelten!

Nehmt die ernste Stimmung wahr!

Denn sie kommt so selten.

Manches habt ihr vorgenommen,

Manches ist euch schlecht bekommen,

Und ich muß euch schelten.

 

Reue soll man doch einmal

In der Welt empfinden!

So bekennt, vertraut und fromm,

Eure größten Sünden!

Aus des Irrtums falschen Weiten

Sammelt euch und sucht bei Zeiten

Euch zurechtzufinden!

 

Ja, wir haben, sei′s bekannt,

Wachend oft geträumet,

Nicht geleert das frische Glas,

Wenn der Wein geschäumet;

Manche rasche Schäferstunde,

Flücht′gen Kuß vom lieben Munde,

Haben wir versäumet.

 

Still und maulfaul saßen wir,

Wenn Philister schwätzten,

Über göttlichen Gesang

Ihr Geklatsche schätzten;

Wegen glücklicher Momente,

Deren man sich rühmen könnte,

Uns zur Rede setzten.

 

Willst du Absolution

Deinen Treuen geben,

Wollen wir nach deinem Wink

Unabläßlich streben,

Uns vom Halben zu entwöhnen,

Und im Ganzen, Guten, Schönen

Resolut zu leben,

 

Den Philistern allzumal

Wohlgemut zu schnippen,

Jenen Perlenschaum des Weins

Nicht nur flach zu nippen,

Nicht zu liebeln leis mit Augen,

Sondern fest uns anzusaugen

An geliebte Lippen.


Das Gedicht "Generalbeichte" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte