Käm′ der liebe Wohlbekannte,

Völlig so wie er geschieden:

Kuß erkläng′ an seinen Lippen,

Hätt′ auch Wolfsblut sie gerötet;

Ihm den Handschlag gäb′ ich, wären

Seine Fingerspitzen Schlangen.

 

Wind! o hättest du Verständnis,

Wort′ um Worte trügst du wechselnd,

Sollt auch einiges verhallen,

Zwischen zwei entfernten Liebchen.

 

Gern entbehrt′ ich gute Bissen,

Priesters Tafelfleisch vergäß′ ich

Eher, als dem Freund entsagen,

Den ich Sommers rasch bezwungen,

Winters langer Weis′ bezähmte.

Anmerkung: Das finnische Original ist ausdrucksvoll, dramatisch, wild, der Rhytmus fast magisch:

"Jos mun tuttuni tulisi,
ennen nähtyni näkyisi,
sille kättä kääppäjäisin,
vaikk ois käärme kämmenpäässä,
sille suuta suikkajaisin,
vaikk ois suu suden veressä,
sille kaulahan kapuisin,
vaikk ois kalma kaulaluilla;
vielä vierehen menisin,
vaikk ois vierus verta täynnä."


Das Gedicht "Finnisches Lied " stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte