Im Grenzenlosen sich zu finden,

Wird gern der Einzelne verschwinden,

Da löst sich aller Überdruss;

Statt heißem Wünschen, wildem Wollen,

Statt läst′gem Fordern, strengem Sollen,

Sich aufzugeben ist Genuss.

Weltseele, komm, uns zu durchdringen!

Dann mit dem Weltgeist Selbst zu

Ringen wird unsrer Kräfte Hochberuf.

Teilnehmend führen gute Geister,

Gelinde leitend, höchste Meister,

Zu dem, der alles schafft und schuf.

 

Und umzuschaffen das Geschaffne,

Damit sich′s nicht zum Starren

Waffne, wirkt ewiges lebendiges Tun.

Und was nicht war, nun will es werden,

Zu reinen Sonnen, farbigen Erden,

In keinem Falle darf es ruhn.

Es soll sich regen, schaffend handeln,

Erst sich gestalten, dann verwandeln;

Nur scheinbar steht′s Momente still.

Das Ewige regt sich fort in allen,

Denn es muss in Nichts zerfallen,

Wenn es im Sein beharren will.


Das Gedicht "Eins und alles" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte