Es war einst ein König in Thule,

Gar treu bis an das Grab,

Dem sterbend seine Buhle

einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,

Er leert′ ihn jeden Schmaus;

Die Augen gingen ihm über,

So oft trank er daraus.

 

Und als er kam zu sterben,

Zählt′ er seine Städt′ im Reich,

Gönnt′ alles seinen Erben,

Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,

Die Ritter um ihn her,

Auf hohem Vätersaale

Dort auf dem Schloß am Meer.

 

Dort stand der alte Zecher,

Trank letzte Lebensglut

Und warf den heil′gen Becher

Hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken

Und sinken tief ins Meer.

Die Augen täten ihm sinken,

Trank nie einen Tropfen mehr.


Das Gedicht "Der König von Thule" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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