Anekdote.

 

Ich lag gefährlich krank;

Gequält von Pillen und von Trank,

War, ach! mein Wunsch, mein Trost in dieser Noth

Herr Doktor Markus und der Tod.

Die Beiden zankten sich

Wie unversöhnliche, geschworne Feind’ um mich.

 

»Ach!« seufzt’ ich, »eh’ ich lang’ auf diesem Lager liege,

So gib, o Gott, daß Einer bald nur siege!«

Kaum war der Seufzer fort,

Da schallet in mein Ohr das Wort:

»Trink’!« – Und es stand vor meinem Bett ein Freund,

(Mehr Freund, als Doktor Tod und Doktor Markus meint)

Der reichte mir ein Glas Burgunder,

Und sprach: »Trink’ das!« – Ich trank, und o welch Wunder,

Der Magen, welcher Trank und Pillen

Nicht annahm, nahm den Wein

Gehorsam ein!

Ich bat, Ein Glas nur noch zu füllen:

Die Lebensgeister kommen wieder

In die schon halb erstorb’nen Glieder,

Frisch war mein Herz und roth der Mund,

Mein Weinglas leer, und ich – gesund!

Herr Markus und der Tod sahn sich einander an,

Und fragten: »Du, wer ist der Mann?«


Das Gedicht "Der Patient" stammt von   (1719 - 1803).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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