Amor pflückte Rosen

In Cytherens Garten,

Seinen goldnen Locken

Einen Kranz zu flechten.

Plötzlich stachen Dornen

Seinen zarten Finger,

Purpurrothe Tropfen

Sieht er quellen; weinend

Ruft er: »Mutter, Mutter!

Deine bösen Rosen

Stachen ihre Lanzen

Hier in meinen Finger;

Sieh’ doch, welche Wunde!«

 

Venus küßt den Finger

Ihres lieben Amor;

Plötzlich ist die Wunde

Wieder heil geworden.

»Mütterchen«, sagt Amor,

»Deine bösen Rosen

Mögen immer stechen!«


Das Gedicht "Amor und Venus" stammt von   (1719 - 1803).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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