Amor pflückte Rosen
In Cytherens Garten,
Seinen goldnen Locken
Einen Kranz zu flechten.
Plötzlich stachen Dornen
Seinen zarten Finger,
Purpurrothe Tropfen
Sieht er quellen; weinend
Ruft er: »Mutter, Mutter!
Deine bösen Rosen
Stachen ihre Lanzen
Hier in meinen Finger;
Sieh’ doch, welche Wunde!«
Venus küßt den Finger
Ihres lieben Amor;
Plötzlich ist die Wunde
Wieder heil geworden.
»Mütterchen«, sagt Amor,
»Deine bösen Rosen
Mögen immer stechen!«
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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