Welch süße Wohllust, so zu trincken!

Sprach Kunz, und rückte seinen Hut,

Bey neuem Wein und jungen Schinken

Sind allemahl die Zeiten gut!

Die Steuer scheinet viel gelinder,

Die Stunden fliesen viel geschwinder,

Wenn man bey vollem Glase spricht;

Denn an die Schulden denckt man nicht;

Noch weniger an Weib und Kinder.

Gefiel es, Nachbar Görgel, dir,

Wir blieben bis zum Morgen hier?

Rasch fieng sich Görgel an zu blähen;

(Er hatte, wie ein Seraskier,

Den Kopf voll Stangen und voll Höhen)

Ich halte, Vetter Kunz, dafür,

Ihr scheint das Ding nicht zu verstehen,

Und raisoniret, wie ein Thier.

Wir bleiben rechter immer hier:

Es kostet nichts, als wann wir gehen!

 


Das Gedicht "Kunz und Görgel" stammt von   (1721 - 1781).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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