Wohl denk′ ich allenthalben,

O du Entfernte, dein!

Früh, wenn die Wolken falben,

Und spät im Sternenschein.

Im Grund des Morgengoldes,

Im roten Abendlicht,

Umschwebst du mich, o holdes,

Geliebtes Traumgesicht!

 

Es folgt in alle Weite

Dein trautes Bild mir nach,

Es wallt mir stets zur Seite,

In Träumen oder wach;

Wenn Lüfte sanft bestreifen

Der See beschilften Strand,

Umflüstern mich die Schleifen

Von seinem Busenband.

 

Ein Abglanz seines Schleiers

Scheint auf die Saat gewebt;

Sein Hauch, was des Gemäuers

Bewegten Eppich hebt;

Der Kleidung weiche Falten,

Geformt aus Glanz und Duft,

Entschwinden in den Spalten

Der öden Felsenkluft.

 

Wo rauschender und trüber

Der Strom Gebirge trennt,

Weht oft sein Laut herüber,

Den meine Seele kennt;

Wenn ich den Fels erklimme,

Den noch kein Fuß erreicht,

Lausch′ ich nach jener Stimme;

Doch Kluft und Echo schweigt.

 

Wo durch die Nacht der Fichten

Ein Dämm′rungsflimmer wallt,

Seh′ ich dich zögernd flüchten,

Geliebte Luftgestalt!

Wenn, sanft dir nachzulangen,

Der Sehnsucht Arm sich hebt,

Ist dein Phantom zergangen,

Wie Taugedüft verschwebt.


Das Gedicht "Der Entfernten" stammt von   (1762 - 1834).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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