Etwas lieben und entbehren
Ist ein Schmerz, der heimlich quält;
Wenn die Blicke Zungen wären,
Hätten sie dir längst erzählt,
Was dein Wesen, kluges Kind,
Über mich vor Macht gewinnt.

Denke, wie es martern müsse,
Wenn ein müder Pilgersmann
Von dem Ufer tiefer Flüsse
Keinen Trunk erreichen kan
Und mit Sehnsucht und Verdruss
Wasser sehn und dursten muss.

Deiner Schönheit reife Früchte
Martern mich ja auch zu scharf,
Denn sie sind nur Schaugerichte,
Die mein Mund nicht kosten darf.
O betrübter Appetit,
Der verbotne Früchte sieht!

Schilt dein zorniges Empfinden
Mein verwegen Lüsternsein,
So vergib den schönen Sünden,
Denn sie sind hauptsächlich dein,
Weil du gar so reizend bist,
Daß man sich aus Lust vergisst.

So ein feuerreich Gemüte,
Das die netten Glieder lenkt
Und sowohl Verstand als Güte
Unter Blick' und Küsse mengt,
Solches, sag ich, lässt nicht zu,
Daß man unempfindlich tu.

Gleichwohl lern ich mich bescheiden
Und begnüge mich daran,
Wenn dein Bild mein stummes Leiden
Nur im Traume lindern kan
Und ich nachmals auf den Tag
Dir die Ehrfurcht zeigen mag.


Das Gedicht "Als er das, was er liebte, entbehren musste" stammt von   (1695 - 1723).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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