Wundre dich nicht, wenn ich meine,

Weil ein Mensch doch dann und wann

Trotz des besten Willens seine

Sorgen nicht verbergen kann.

 

Nimm aus meiner Schreibtischlade

Den Revolver mir nicht fort,

Auch das Gift nicht. Und verrate

Niemandem davon ein Wort.

 

Und du selber sollst nicht weinen,

Wenn du über mich was liest,

Oder wenn du plötzlich meinen

Hut im Wasser treiben siehst.

 

Frage nicht, warum ich heute

Etwa etwas seltsam bin.

Grüße bitte meine Leute. -

Schau das Laub! - Es welkt dahin.

 

Bleibe glücklich und genieße

Du das Leben im Erblühn.

Wenn du Zeit hast, so begieße

Manchmal dieses Immergrün.

 

Was für Absichten ich hege?

Frage nicht. - Nimm diesen Kuss,

Und dann geh ich jene Wege,

Die ich einmal gehen muss.

 

Noch ein Küsschen auf das kleine

Näschen. Noch eins auf den Mund.

Ach was hast du süße Beine. -

Zeig mal! - Und wie bist du rund!

 

Ach, mir darfst du das schon zeigen,

Denn du bist doch schon so gut

Wie erwachsen und kannst schweigen,

Wenn dein Onkel etwas tut!?!


Das Gedicht "Der traurige Onkel" stammt von   (1883 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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