Blutige Lokken fallen von eingesunkenen Wangen;

Furchtbar, zwischen Hülfe rufend geöffneten, schwarzen

Lippen laufen zwey Reihen scheußlicher Zähne, so ragen

Dürre Beine aus Gräbern hervor; die gefalteten Hände

Dekket Blässe, die unter zersplitterten Nägeln zum Blau wird:

Denn im einsamen schrekkenden Walde hat er sich ängstlich

Mit verlarvten Mördern gerungen: es hallten die Wipfel

Von seinem bangen Rufen und dem mördrischen Murmeln

Seiner Gegner; bald erlagen die Kräfte des Kämpfers,

Schlaffe Arme strekt′ er vergeblich, die tödtlichen Aexte

Von seinem Haupt abzuhalten; sie, die sonst schüchterne Vögel

Aus den gefällten Bäumen verscheuchten, spalteten izo

Grausam die gehirnsprüzzende Scheitel des sterbenden Mannes,

Dessen Seele ungern vom röchelnden Busen emporstieg. -

Streifende Jäger fanden den zerzerreten Körper

In dem See von eigenem Blut, aus welchem die Gräsgen

Ihre befleckten Spizzen scheu erhoben: sie brachten

Ihn der untröstbaren Wittwe, die sein dunkeles Auge

Noch zu bedauren schien: noch sichtbar war auf der Wange

Der sonst freundliche Zug, auf der verunstalteten Stirne

Die kenntbare Runzel, die oft ein ahndender Kummer

In melancholischen Stunden drauf pflanzte. -


Das Gedicht "Gemählde eines Erschlagenen" stammt von   (1751 - 1792).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte