Drei Meere tanzen hochgeschürzt ans Land.

Des Droschkenkutschers Hut durchbohren Mondesstrahlen.

Als Kehrichtwalze holpert der Verstand,

Wir glänzen durch die Nacht gleich singenden Aalen.

 

Giraffenhals ragt schräg zum Nordlichthimmel.

Die Mondesratte knüpft ihm bleichen Kragen.

Am Tropenkoller würgt ein Polizistenlümmel.

Bald werden wir ein neues Land erfragen.

 

Aus unsrem Ohr lustwandeln Eiterströme.

Das Auge rankt sich wüst um das Monokel.

An einem Drahtseil leckt ein schlichter Böhme.

Ein Schwein steht segnend auf dem Marmorsockel.

 

Zehntausendfarbenschnee. Cocytus. Kinotempel.

Ein Mann greift weibernd nach dem Hosensack.

Auf Eselsrücken brennen handgroß Feuerstempel

Und Hähne machen Kopfsprung in den Chapeau claque.

 


Das Gedicht "Widmung für Chopin" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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