Geh hundert Meilen die Buchen lang

Den grauviolettenen Stämmegang

Wo das Jahrtausend die Kronen treibt

Und mit den Nägeln sich Runen schreibt -

 

Geh hundert Meilen im teppichten Schoß

Durchs schwer überkuppelte, blührote Moos,

Wo nur als wunderlich Lied noch tönt,

Was deinem glänzenden Auge fröhnt. -

 

Da kommst du an einen gelichteten Raum,

Es steht eine Hütte da, sichtbar kaum,

So herzen sie Geißblatt und Winden weiß, -

An ihrem Pförtchen lehnt zwergig ein Greis.

 

Der schaut so gar traumhaft und schaut nur und schweigt,

Sein Blick dir bis tief in die Seele reicht,

Und müde wirst du, unendlich müd′,

Und das Wunderlied schwellt und webt und verzieht.

 

Und der Alte, er winkt. Gern folgst du ihm nach,

Draußen die Nacht überringt schon den Tag.

Blau irrt am Fensterchen flimmernder Schein,

Und du hörst Märchen vom Menschelein.


Das Gedicht "Waldgreis" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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