Ein helles Mädchen spitzt die Kniee, tanzend.
Narzissus sanft vibrierend küßt ihr blaues Haar.
Zwei gelbe Autos keuchen, fort sich pflanzend,
Und trollen dumpf, geschwächt, zu der Kasinobar.
Es lästern oft Kokotten und Chauffeure.
Doch vor der Taube beugen sie den Nacken tief.
Der Bauch des Universums schwillt aus einem Göhre,
Und Hahn und Pferd verdrehn die Hälse schief.
Es auch geschieht ein ungeheures Tun:
Maria hebt sich von dem Wolkensitze.
Die Zeppeline schreien, Dreatnougths fliehn.
Ein Grenadier feikt in die Opiumspritze.
Es bleibt kein Hund im Schoße der Madonnen.
Viel Senatoren, Patriarchen jappt das hohe Seil.
Auf Sacco-Ösen schrillen Querpfeif-Wonnen
Das Gedicht "Narzissus" stammt von Hugo Ball (1886 - 1927).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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