Komm heraus, o Herr, komm heraus, o Herr,

Und tanz mit meiner Seel.

Sie ist so rein und wohlgebaut.

Du hast sie auch schon angeschaut,

Drum ist sie ohne Fehl.

 

Stehe auf, o Herr, stehe auf, o Herr.

Und führe mich zum Tanz.

Durch die Lichterflut

Über Grab und Schutt.

O, du überirdischer Glanz!

 

Komm herab, o Herr, komm herab, o Herr,

Wir sehnen uns nach dir.

Das Herze überzückt sich fast.

Dein Wirbel hat uns angefaßt.

Nun sind wir nicht mehr hier.

 

Der Ohnmacht nah, wie wunderbar

Ruht sichs in deinem Arm.

Kein schlechter Mensch dringt bis hierher.

Keine Nacht und Kält und Hunger mehr.

Hier ist uns wohl und warm.

 

Wie du fröhlich bist, Herr Jesus Christ,

Du süßer Bräutigam!

Über Nacht und Tag, wer′s fassen mag,

Wer′s lassen oder hassen mag,

Die Seele zu dir kam.

 

Wie du löblich bist und erheblich bist,

Das ist ein himmlisch Spiel.

Wie du groß und stark und gewaltig bist.

Wie du licht- sind feuergestaltig bist,

Das sag ich nicht zuviel.

 

Laß nach, o Herr, laß nach, o Herr,

Mir schwindet Sinn um Sinn.

Meine Schulter hat sich müd gewiegt.

Ich weiß nicht, was mich so beglückt,

Ob ich tot oder lebend bin.


Das Gedicht "Komm heraus, o Herr" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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