(Melodie: Deutschlandlied)

 

1. Ja, verzeihlich ist der Großen

Übermut und Tyrannei,

Denn zu groß und niederträchtig

Ist des Deutschen Kriecherei.

Sieht ein Deutscher seines Fürsten

Höchsterbärmlich schlechten Hund,

|: Tut er gleich in schönen Worten

Seine Viehbewundrung kund. :|

 

2. Sieht ein Deutscher seines Fürsten

Altersschwaches steifes Pferd,

Ist er freudig doch ergriffen

Von des Gaules früherm Wert.

Sieht ein Deutscher seines Fürsten

Allerältstes Hoffräulein,

|: Denkt er eine Bürgerstochter

Könne doch so schön nicht sein. :|

 

3. Sieht ein Deutscher seines Fürsten

Jämmerlichsten Kammerherrn,

Steht er still und grüßt in Ehrfurcht,

Und er sieht ihm nach von fern.

Sieht er nun den Fürsten selber,

O, wie ist er dann entzückt!

|: Wenn Durchlauchet ihn wieder grüßet,

Nun, dann ist er fast verrückt. :|

 

4. Er erzählt es allen Menschen,

Welche Gnad ihm widerfuhr,

Daß Durchlaucht ihn hat gewürdigt

Mehr als eines Blickes nur.

Er erzählet Kindeskindern:

Ja, ich habe ihn gesehen!

|: Und bei Gott! nun kann ich ruhig,

Ruhig in die Grube gehn. :|


Das Gedicht "Kriech Du und der Teufel" stammt von   (1798 - 1874).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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