Unsre Fürsten hatten viel versprochen,

Doch das Halten schien nicht ihre Pflicht.

Haben wir denn nun soviel verbrochen,

daß sie hielten ihr Versprechen nicht?

 

Schlimmer wird es jetzt von Tag zu Tage,

Schweigen ist nur unser einzig Recht:

Untertanen ziemet keine Klage,

Und gehorchen muß dem Herrn der Knecht.

 

Unsre Brüder werden ausgewiesen,

Mehr als alles Recht gilt Polizei.

Heute trifft es jenen, morgen diesen,

Jeder, jeder Deutsch′ ist vogelfrei.

 

Deutsche Freiheit lebet nur im Liede,

Deutsches Recht, es ist ein Märchen nur.

Deutschlands Wohlfahrt ist ein langer Friede -

Voll von lauter Willkür und Zensur.

 

Darum ziehn wir aus dem Vaterlande,

Kehren nun und nimmermehr zurück,

Suchen Freiheit uns am fremden Strande -

Freiheit ist nur Leben, ist nur Glück.


Das Gedicht "Auswanderungslied" stammt von   (1798 - 1874).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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