Hast du noch nie recht bitterlich geweint,

das glühende Tränen dir hervorgedrungen,

noch nie mit einem großen Schmerz gerungen,

noch nie unsäglich elend dich gemeint?

 

Hat hohe Freude nie dein Herz geschwellt,

durchbrausten nie dich stolze Jubelklänge,

das du fast meintest, deine Brust zerspringe,

und dass du seist der Seligste der Welt?

 

Wenn solche Schauer nimmer dich durchbebt,

hast du die Feuertaufe nicht bekommen,

des Daseins Strahlenhöhen nicht erklommen,

und sage nicht, du habest schon gelebt.


Das Gedicht "Hast du noch nie..." stammt von   (1821 - 1902).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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