Mit metallhartem Rotgelb

Hat sich des Himmels

Westliche Wölbung beflammt.

 

Mein Auge starrt staunend

In die leuchtende Blende,

Die wachsend fortglüht,

Als sei nimmer ihr Ende

Die lichtlose Nacht . .

 

Da streift die brennende

Lichtwand ein Fittig –

Der nachtschwarze Fittig

Eines Dämmerungsvogels . . .

 

Eine kleine Spanne

Und die Weite verschlang ihn.

 

Also trägt auch der Mensch

Mit schwankem Fittig

Sein zwielichtbefangenes Sein

Vorüber an der stetig leuchtenden

Kristallwand der Ewigkeit . . .

 

Er huscht dahin

Ein Traum – ein Wahn –

Auf schmaler Bahn

So bald – so bald

Raubt seiner Gestalt

Schattengefüge

Des Nichtseins

Farblose Wahrheitslüge.

 

Aber im Fluge –

Im Vorüberfluge –

Ahnt er das Rätsel

Der stetig und still,

In sattem Glanze

Fortdauernden Ewigkeit . . .


Das Gedicht "Im Vorüberfluge" stammt von   (1862 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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