Meine bebenden Finger halten das blutrote Gold umspannt –

Es liegt wie brennende Schande in meiner eiskalten Hand –

Die gierigen Augen stürzen auf seinen grellgleißenden Glanz – –

Und an mir rast vorüber der Menschheit wahnsinniger Faschingstanz ...

 

Es wölbt sich zur Riesenlawine vor meinem Seherblick,

Zur blind hinrollenden, tauben, dies erbärmlich winzige Stück –

Ich fühle Millionen Herzen zucken nach seinem Besitz –

Ich höre Millionen Lippen freveln in blödem Aberwitz ...

 

Ich schaue Millionen Fäuste in lohendem Groll gereckt –

Nach goldnen Lawinenkrumen inbrünstig ausgestreckt –

Ich höre Millionen Flüche, dieweil nur Zundergestäub

Statt purpurner Pracht und Geschmeides sich klebt um den schlotternden Bettlerleib.

 

Zeiten um Zeiten fliegen, Jahrtausende mir vorbei –

Durch alle Zeiten dröhnt es, das gellende Jagdgeschrei ...

Da droben auf ihrem Throne schlief wohl die Gottheit ein –

Bricht denn durch ihre Lider nicht der Scheiterhaufen Flammenschein?

 

Der Scheiterhaufen, darauf sie, die Menschheit, wahnsinnverkrampft,

Ihr bißchen Gottheit geopfert, dämonenüberstampft!

Ja! Ihren Namen nannte die Lippe je und je –

Und troff zugleich von Sehnsucht, nach einem –Riesenportemonnaie.

 

Kommt über die unstete Menschheit denn nie die Erlösungsruh?

Rast in Aeonen sie weiter, immer und immerzu? –

Meine Finger klammern ums Gold sich, das zur Lawine schwoll –

Wach auf, du schlafender Himmel! Das Maß ist über- und übervoll!


Das Gedicht "Gold" stammt von   (1862 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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