Wie gerne lass′ ich von der ersten Sonne

Mich bescheinen! – Wenn der Januar

Mit seiner Atemzüge Eishauch wich

Wenn in der Monde Schnur die zweite Perle

Sich übertropfen läßt von Goldreflexen

Der Winternebel Vorhang in zwei Stücke

Geborsten ist ... und ihrer Gnaden Truhe

Nach träumerischer Rast die Sonne leert

Den ganzen Köcher ihrer funkelnden Pfeile:

Wie gerne lass′ ich mich von dieser Sonne,

Von dieser Sonne sanft verkühltem Licht

Bescheinen! Leise kommt auf leichten Sohlen

Ein Sinnen über mich ... ein dunkles Suchen

Und doch, wie so klar und wunschlos still ...

All′ Winterunrast hab′ ich abgetan

Als schritte ich auf Wolken, treib′ ich hin ...

Die Augen halb geschlossen ... seltsam müde

Und an den Sonnenstrahl, der mich berührt ...

Leise, ganz leise meine Wange streift,

Möcht′ ich mich lehnen ... und in seiner Goldspur

Verdämmern lassen meiner Seele Leben ...


Das Gedicht "Erste Sonne" stammt von   (1862 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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