Original

1.
Der blîdeschaft sunder riuwe hât
mit êren hie, der ist rîche.
daz herze, dâ diu riuwe inne stât,
daz lebet jâmerlîche.
Er ist edel unde vruot,
swer mit êren
kann gemêren
sîne blîtschaft, daz ist guot.

2.
Diu schoene, diu mich singen tuot,
si sol mich sprechen lêren,
dar abe, daz ich mînen muot
niht wol kan gekêren.
Sî ist edel unde vruot,
swer mit êren
kan gemêren
sîne blîdeschaft, daz ist guot.

Übersetzung auf Hochdeutsch

Wer Freude ohne Reue hat,
der ist hier reich an Ehre.
Das Herz, in dem die Reue wohnt,
das lebt jammervoll.
Er ist edel und klug,
wer mit Ehren
seine Freude
zu mehren weiß, das ist gut.

Die Schöne, die mich zum Singen bringt,
sie soll mich das Sprechen lehren,
davon, dass ich meinen Sinn
nicht gut wenden kann.
Sie ist edel und klug,
wer mit Ehren
seine Freude
zu mehren weiß, das ist gut.


Das Gedicht "Der blîdeschaft sunder riuwe hât" stammt von   (1149 - 1194).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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