Auf den Rabenklippen

bleichen Knabenrippen,

und der Mond verkriecht sich düster ins Gewölk

Rings im Kringel schnattern

schwarze Ringelnattern,

und der Uhu naht sich mit Gebölk.

 

Mit den Tatzen kratzen

bleiche Katzenfratzen

an dem Leichenstein, der Modergruft.

Furchtbar, schrecklich, gräßlich,

greulich, eklig, häßlich

tönt ihr Wehgewinsel durch die Luft.

 

Tief im Moore brodelt′s

und im Chore jodelt′s

in die kohlpechrabenschwarze Nacht hinaus.

Keine Brandungslücke,

keine Landungsbrücke

gibt′s in diesem Moor aus Schreck und Graus.

 

Selbst ein dummer Stänker

wird ein stummer Denker,

wenn er so viel Grauses hört und schaut.

Trinkt noch schnell ′nen Bittern,

sinkt zur Stell mit Zittern

mit ′ner Kreidehaut ins Heidekraut.

 

Drum, ihr tollen Zecher,

hebt die vollen Becher,

besser sitzt es sich doch hier beim Wein

als auf Rabenklippen,

wo die Knabenrippen

bleichen bei des Neumonds finsterm Schein.


Das Gedicht "Erschütternde Schüttel-Knüttel Reimballade" stammt von   (1842 - 1906).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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