Es ging spazieren vor dem Tor

ein kohlpechrabenschwarzer Mohr.

Die Sonne schien ihm auf’s Gehirn,

da nahm er seinen Sonnenschirm.

Da kam der Ludwig hergerannt

und trug sein Fähnchen in der Hand.

Der Kaspar kam mit schnellem Schritt

und brachte seine Brezel mit.

Und auch der Wilhelm war nicht steif

und brachte seinen runden Reif.

Die schrien und lachten alle drei,

als dort das Mohrchen ging vorbei,

weil es so schwarz wie Tinte sei!

 

Da kam der große Nikolas

mit seinem großen Tintenfaß.

Der sprach: »Ihr Kinder, hört mir zu

und laßt den Mohren hübsch in Ruh!

Was kann denn dieser Mohr dafür,

daß er so weiß nicht ist wie ihr?«

Die Buben aber folgten nicht

und lachten ihm ins Angesicht.

Und lachten ärger als zuvor

über den armen schwarzen Mohr.

 

Der Niklas wurde bös und wild,

du siehst es hier auf diesem Bild!

Er packte gleich die Buben fest,

beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West,

den Wilhelm und den Ludewig,

den Kaspar auch, der wehrte sich.

Er tunkt sie in die Tinte tief,

wie auch der Kaspar »Feuer« rief.

Bis übern Kopf ins Tintenfaß

tunkt sie der große Nikolas.

 

Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind,

viel schwärzer als das Mohrenkind.

Der Mohr voraus im Sonnenschein,

die Tintenbuben hinterdrein;

und hätten sie nicht so gelacht,

hätt Niklas sie nicht schwarz gemacht.


Das Gedicht "Die Geschichte von den schwarzen Buben" stammt von   (1809 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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