»Konrad!« sprach die Frau Mamma,

»ich geh aus und du bleibst da.

Sei hübsch ordentlich und fromm.

bis nach Hause ich wieder komm.

Und vor allem, Konrad, hör!

lutsche nicht am Daumen mehr;

denn der Schneider mit der Scher

kommt sonst ganz geschwind daher,

und die Daumen schneidet er

ab, als ob Papier es wär.«

Fort geht nun die Mutter und

wupp! den Daumen in den Mund.

 

Bauz! Da geht die Türe auf,

und herein in schnellem Lauf

springt der Schneider in die Stub

zu dem Daumen-Lutscher-Bub.

Weh! Jetzt geht es klipp und klapp

mit der Scher’ die Daumen ab,

mit der großen scharfen Scher’!

Hei! Da schreit der Konrad sehr.

Als die Mutter kommt nach Haus,

sieht der Konrad traurig aus.

Ohne Daumen steht er dort,

die sind alle beide fort.


Das Gedicht "Die Geschichte vom Daumenlutscher" stammt von   (1809 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte