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Das ist Herr Ludwig von Bayerland,

Desgleichen gibt es wenig;

Das Volk der Bavaren verehrt in ihm

Den angestammelten König.

 

Er liebt die Kunst, und die schönsten Fraun,

Die läßt er porträtieren;

Er geht in diesem gemalten Serail

Als Kunsteunuch spazieren.

 

Bei Regensburg läßt er erbaun

Eine marmorne Schädelstätte,

|Und er hat höchstselbst für jeden Kopf

Verfertigt die Etikette.

 

"Walhallagenossen", ein Meisterwerk,

Worin er jedweden Mannes

Verdienste, Charakter und Taten gerühmt,

Von Teut bis Schinderhannes.

 

Nur Luther, der Dickkopf, fehlt in Walhall,

 

Und es feiert ihn nicht der Walhall-Wisch;

In Naturaliensammlungen fehlt

Oft unter den Fischen der Walfisch.

 

Herr Ludwig ist ein großer Poet,

Und singt er, so stürzt Apollo

Vor ihm auf die Knie und bittet und fleht:

"Halt ein! ich werde sonst toll, oh!"

 

Herr Ludwig ist ein mutiger Held,

Wie Otto, das Kind, sein Söhnchen;

Der kriegte den Durchfall zu Athen,

Und hat dort besudelt sein Thrönchen.

 

Stirbt einst Herr Ludwig, so kanonisiert

Zu Rom ihn der Heilige Vater –

Die Glorie paßt für ein solches Gesicht,

Wie Manschetten für unseren Kater!

 

Sobald auch die Affen und Känguruhs

Zum Christentum sich bekehren,

Sie werden gewiß Sankt Ludewig

Als Schutzpatron verehren.


Das Gedicht "Lobgesänge auf König Ludwig" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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