»Hier sollt ich sie erwarten!

Vergaß sie Schwur und Pflicht?

Find ich im ganzen Garten

Eleonoren nicht?

Läßt dieser Schatten Hülle

Mich keinen Fußtritt sehn?

Dringt durch die tiefe Stille

Kein einziges: Tiren?«

 

Ich sprachs und immer weiter

Sucht ich der Freundin Spur.

Der düstre Mond ward heiter,

Doch Bäume sah ich nur.

Jezt im Begriff zu weichen,

Trift ein Geräusch mein Ohr

Und aus den dichten Sträuchen

Springt lachend was hervor.

 

»Agathe? wie?« - »Verloren

Hab ich den Aedon hier.« -

»Und ich Eleonoren

Zu sehn geglaubt in dir.« -

»Komm unsern ungetreuen,

Sprach sie, soll Recht geschehn.

Du wirst dich doch nicht scheuen,

Mit mir allein zu gehen?« -

 

Wir gingen. Endlich müde

Sank sie am Wasserfall.

Wir horcheten dem Liede

Der lauten Nachtigall

Und sangen auch und lauschten

Bei süßem Spiel und Scherz,

Und küssten und vertauschten

Unwißend unser Herz.

 

Ich malt ihr mein Entzücken,

Als schnell an Aedons Hand,

Vergnügen in den Blicken,

Mein Mädchen vor mir stand.

»Folgt, sagte sie, die Rache

So plötzlich dem Vergehn?

Kaum daß ich diesem lache,

Bestrafet mich Tiren!«


Das Gedicht "Der Tausch" stammt von   (1744 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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