Sechs Fromme von verschiedner Innung

Doch gleich unsträflicher Gesinnung

Begegnen, wo nicht Zeit noch Raum

Mehr engt, sich - an des Himmels Saum.

 

Schnell blizt der Eingang aufgeschloßen,

Und von Verklärungsglanz umfloßen

Tritt mild ein Genius heran

Und fragt: Wer Du? - »Ein Muselman.«

 

Ins Paradies dort, wo die Frommen

Zu mehr als Machmuds Lichte kommen! -

Und Du? - »Ein Jud.« - Im Tempelchor

Singt Assaff dort erwählten vor.

 

Und Du, der wundernd steht, als mahn′ er

Des Irrthums mich? - »Ein Lutheraner!« -

Geh aufzuklären Deinen Sinn

Zum schon belehrten Pastor hin.

 

Du denn? - »Ein Quäker.« - Abgeschieden

Sind Deine Brüder dort im Frieden.

Behalt den Hut auf wenns gefällt,

Vergnügt mit Penn der beßern Welt.

 

Und Du dort? - »Ueberführt allmählich

Nicht mach′ allein mein Glauben selig.

Doch fremd gesteh ich scheinen mir

Bei Christen Türk und Jud allhier.«

 

Wie Schuppen von den Augen fallen

Wird bald der Zweifel Dir und allen.

Jezt theile Ganganellis Ruh! -

Von welcher Kirche bist denn Du?

 

»Von keiner!« - Anzunehmen wäre

Dächt ich doch irgend eine Lehre? -

»Daß Einer sei, der alles schafft,

Der Gutes lohnet, böses straft,

 

Und daß Unsterblichkeit der Seele,

Die sterbliches verschmäht, nicht fehle.

Geglaubt das hab ich und geübt.« -

Nimm Platz denn, wo es Dir beliebt.


Das Gedicht "Der Himmel" stammt von   (1744 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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