Sprößling einer Thrän' Aurorens,

Oder ob dich Amor schuf,

O vernimm, geweihte Florens,

Eines Herzens leisen Ruf!

 

Schleuß, o Rose! - Nein, versag' es

Meiner Sehnsucht Bitten noch!

Blumen, Kinder eines Tages,

Glänzen frisch und welken doch.

 

Sanft erröthend, wie du glühest,

Wird Filinde bald dich sehn.

Ach! sie blühet, wie du blühest,

Und wie du wird sie vergehen!

 

Hast du meinen Ruf vernommen?

Oefnest deine Knospe schon?

Süße Rose, sei willkommen!

Deiner harrt ein süßer Lohn.

 

Die dich pflückte soll dich drücken,

Meine Hand, an ihre Brust.

Wiße nur daß du sie schmücken,

Aber nicht verbergen mußt.

 

An Filindens Busen prangend

Stirbt dein Reiz zwar früher ab;

Doch den schönen Platz verlangend,

Neidet jeder selbst dein Grab.

 

Duft' ihr Düfte, zart und linde!

Doch erhalte dir den Dorn,

Und wer dir sich naht, empfinde

Deine Rache, meinen Zorn!

 

Auch gewähren neues Leben

Dir vielleicht die Götter dann,

Seufzer werden dich erheben,

Wenn Filinde seufzen kann.

 

Thränen des Gefühls vergießen

Lehre sie bei deinem Tod,

Und der Jugendzeit genießen,

Der ein gleiches Ende droht.


Das Gedicht "An die Rose" stammt von   (1744 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte