Amors Ankunft in Cythere

Wird ein allgemeines Fest,

Als sich Venus nicht die Ehre

Ihn zu stillen rauben läßt.

Weil er aber nur betrachtet

Und, schon Kind nicht mehr, allein

Des Gefäßes Reizen schmachtet,

Will ihm keine Milch gedeihn.

 

Rath in solcher Noth gewähren

Heißt die Göttin ihren Hof:

Haben Amorn aufzunähren,

Andre doch vielleicht den Stoff.

Da den Vorzug zu gewinnen

Treten in gedrängter Zahl

Heldentöchter und Göttinnen

Und die Tugenden zur Wahl.

 

Manche Götterbrust quillt Nahrung

Daß man nicht die Wollust wählt,

Untersaget bloß Erfahrung,

Die der Höfe keinem fehlt.

Trocken findet man die Musen,

Ernsthaft die Vernunft und alt,

Bis ein Labsal ihm am Busen

Der erkornen Hofnung wallt.

 

Sich unziemlich übergangen

Wähnt vor allen Lüsternheit,

Blickt auf Amorn mit Verlangen,

Auf die Amme voller Neid,

Und begehrt - die schlaue! siegen

Muß sie oder selbst vergehn! -

Das erlauchte Kind zu wiegen

Und die Hofnung läßts geschehn.

 

Aber Amor ohn Erbarmen

Schlummert nie und plaget stets.

Und sie flehet: »weichern Armen

Ueberlaß ihn!« - und erflehts.

Zuckerbrot mit vollen Händen

Reicht die Pflegerin ihm dar,

Und sein Leben schnell zu enden,

Läuft der lüsterne Gefahr.


Das Gedicht "Amors Amme" stammt von   (1744 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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