Das Auge, das sich in dem Graus verliert,

Der langsam um den Erdball rast,

Wird vor Entsetzen irre und gefriert,

Wie wenn im Tod es brechend sich verglast.

 

Weh ohne Maß, ins unbegrenzte All

Wie ein empörtes Meer hinausgeschnellt,

Wo es mit millionenfachem Prall

An starrer Luftschicht wesenlos zerschellt!

 

Das ist der Erbfluch unausrottbar zäh,

Der das Geschlecht mit seinem Bann umfing,

Als in verworrnem Urtrieb dumpf und jäh

Zum ersten Mal sich Blut am Blut verging.

 

Aus euren Träumen wuchs der wilde Geist,

Von Höllenlicht umlodert und umqualmt,

Den mit verstörten Sinnen ihr umkreist,

Und den ihr Gott nennt, weil er euch zermalmt.

 

Fühllos und ohne Ohr für euer Flehn,

Tut er mit Tod und Grauen euch Bescheid

Und lässt er ohne Ende blind geschehn,

Dass ihr die Opferer und Opfer seid.


Das Gedicht "Melancholia" stammt von   (1864 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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