Der Gottesdienst, seht, wie er geht

In vollem Schwang auf ganzer Erden

Mit Mönch- und Nonn und Pfaffewerden,

Mit Kuttentragen, Kopfbescheren,

Tag und Nacht in Kirchen plärren,

Metten, Prim, Terz, Vesper, Komplet,

Mit Wachen, Fasten, langem Gebet,

Mit Gertenhauen, kreuzweis Liegen,

Mit Knieen, Steigen, Bücken, Biegen,

Mit Glockenläuten, Orgelschlagen,

Mit Reliquien-, Kerzen-, Fahnentragen,

Mit Räuchern und mit Glockentaufen,

Mit Lampenschnüren, Gnad-Verkaufen,

Mit Kirchen-, Wachs-, Salz-, Wasserweihen. -

Und ebenso ist′s bei den Laien:

Mit Opfern und mit Lichtlein brennen,

Mit Wallfahrten, zu Heil′gen rennen,

Mit Abendfasten, Tagesfeiern

Und Beichten nach den alten Leiern,

Mit Brüderschaften, Rosenkränzen,

Mit Ablaßlesen, Kirchscharwenzen,

Mit Pacemküssen, Reliquienschauen,

Mit Messenstiften, Kirchenbauen,

Mit großen Kosten die Altäre zieren:

Bilder auf die welschen Manieren,

Samtene Meßgewand, Kelche gülden,

Mit Monstranzen und silbernen Bilden,

In Klöster schaffen Zins und Rent′;-

Dies "Gottesdienst" der Papst benennt

Und spricht man wirbt damit den Himmel

Und löst mit ab der Sünden Schimmel. -

Und wenn man′s sich besieht bei Licht,

Ist alles auf das Geld gericht′t.


Das Gedicht "Gottesdienst " stammt von   (1494 - 1576).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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