Doch drückt ihn nicht die Plage mehr,
So lebt er sündig wie vorher;
Jedoch wo er sieht andre Leute
In gleichen Lastern liegen heute,
Schreit über sie er Weh und Ach.
Doch säh' er bei sich selber nach,
So fänd' er hundertfältig mehr,
Darin er wider Treu' und Ehr'
Gehandelt hat; doch birgt er's fein.
Ehrlicher wär', daß er allein
Den Balken zög' aus seinen Augen:
Dann würd' es ihm auch billig taugen,
Daß er auch zög' dem Nächsten sein
Aus seinem Aug' das Splitterlein.
Das Gedicht "Doch drückt ihn nicht die Plage mehr" stammt von Hans Sachs (1494 - 1576).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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