Immer enger, immer strenger

Hält das Leben sein Gericht:

Leichte Sänger, lose Fänger,

Sie geleiten uns nicht länger,

Auch Genossen bester Stunden

Schwenken ab und sind verschwunden -

In entbehrendem Gesunden

Schreiten stiller wir ans Licht.

 

Und die Seele, ihre Fehle

Fühlt die Stolze mehr und mehr:

Daß mit manchem Wahnjuwele

Sie die Wahrheit sich verhehle;

Und sie opfert falsches Freuen,

Weit es in den Wind zu streuen,

Ihre Armut zu erneuen -

Ach, das schmerzt die Seele sehr.

 

Doch es weitet, wie sie schreitet,

Sich das All, wie einst es war,

Da zu reiner Schau bereitet

Erd′ und Himmel sich gebreitet,

Da sie ohne Sucht und Beute

Dankbar nur am Sein sich freute!

Wertvoll wieder wird das Heute,

Und das Auge wieder klar.

 

Hohl Gepränge vor der Menge,

Sinnenhunger, Machtbegier,

All das fiebernde Gedränge

Lösen silberhelle Sänge

Aus verklungnen ersten Zeiten,

Aus versunknen Seligkeiten -

Ruhig leuchten uns die Weiten,

Und im Frieden sind auch wir.


Das Gedicht "Wiedergeburt" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte