Bangen nicht könnt′ mir vor jenen Vampyren,

Die, wie gespenstische Sagen wollen,

Nächtens im Schlaf uns beschleichen sollen,

Weil sie nach unserem Herzblut gieren.

 

Munter führ′ ich aus Traumesbanden,

Spürend den Anhauch der feindlichen Fratze -

Und mit der immer bereiten Tatze

Schlüg′ ich das Spukgezücht lachend zuschanden!

 

Aber es wollen an unserem Blute

Auch noch ganz andere Dürster sich letzen,

Harmlos am Tag, die wir achten und schätzen,

Wundervoll Freundliche, Liebe und Gute.

 

Unsere Wohlfahrt betonen sie immer,

Wissen auch selbst nichts von ihrem Willen:

Aber wir sollen auch sie nur stillen,

Und sie saugen nur zehnmal schlimmer.

 

Wehe dem Gläubigen, der sich nicht wehrte!

Langsam wird all seine Kraft ihm entzogen,

Bis er, ums Beste des Daseins betrogen,

Närrisch noch segnet, was ihn verzehrte.


Das Gedicht "Vampyre" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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