Soll ihr Bestes dir erzählen

Eine alte deutsche Stadt,

Darfst du nicht den Tag dir wählen

Im Gewühl der Krämerseelen,

Mußt tiefnachts hinein dich stehlen,

Wann ihr Himmel Vollmond hat.

 

Dann aus wirrendem Getriebe

Löst sich klar ihr Dauerbild,

Das, ob Zeit auf Zeit verstiebe,

Immer stolz und ruhig bliebe -

Deutlich wird die Kraft der Liebe,

Die sie hob aus dem Gefild.

 

Tüchtig-ernstes Menschenringen

Redet dann aus jedem Bau,

Not und herrliches Bezwingen!

Und die grauen Brunnen singen

All das siegende Gelingen

Feierlich im Silberblau.

 

Lausche, wie aus ihrem Munde

Alles tönt so hell und reich -

Fühl' die Würde jeder Stunde,

Fühl' dich eins dem großen Bunde!

Und auch deines Lebens Wunde

Wird sich schließen zaubergleich.


Das Gedicht "Die Stadt" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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