Ein neuer Anzug ist was Wundervolls,

Ein neuer Anzug macht uns froh und stolz!

 

Ein neuer Anzug macht uns fromm und rein -

Ein neuer Anzug ist ein Heiligenschein!

 

Dem Pöbel selbst, der, ach! so wenig ehrt,

Macht uns ein neuer Anzug lieb und wert:

 

Und uns für uns, uns macht er zauberjung -

Im neuen Anzug liegt Begeisterung!

 

Er ist die Kraft des Alls, das "Stirb und Werde,"

Der Stein der Weisen und das Salz der Erde!

 

Ihr alle, die gestürzt im Wogenschwalle,

Zieht neu euch an! das hilft in jedem Falle.

 

Gebt neuen Anzug euern alten Phrasen,

So wird man ihnen Siegfanfaren blasen!

 

Gebt neuen Anzug euern Zwingmonarchen,

So werdet ihr zufrieden weiterschnarchen!

 

Gebt neuen Anzug euern alten Göttern,

So trotzen sie den Leugnern und den Spöttern!

 

Denn gerne bleibt die Welt dem Alten treu,

Wenn′s nur den Anzug wechselt, nett und neu.


Das Gedicht "Der neue Anzug" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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