Wenn die letzten Lampen brennen

Traulich um den letzten Gast,

Winkt ihm köstliches Erkennen

Nach dem Lärmen und dem Rennen:

Wenn die letzten Lampen brennen,

Wird ihm erst die rechte Rast.

 

Wundervolle Träume steigen

Dann aus seinem stillen Glas:

Denn verrauscht ist dann der Reigen,

Und es lockt das weite Schweigen -

Wundervolle Träume steigen

Aus dem Glas im übermaß!

 

Doch aus solchem reichen Sinnen

Schreckt den Gast die Kellnerin,

Weil er immer noch herinnen,

Und der Tag schon will beginnen -

Ach! aus seinem reichen Sinnen

Schreckt ihn rauh die Kellnerin:

 

Löscht ihm höhnisch Lamp′ um Lampe,

Klappert giftig mit dem Geld,

Türmt die Stühle mit Gestampe,

Will jetzt schlafen, diese Schlampe,

Löscht ihm höhnisch Lamp′ um Lampe -

Gott, wie arm ist deine Welt!


Das Gedicht "Der letzte Gast" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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