Ein Weihnachtslied

 

Hundert Kerzen trägt die Fichte,

Prangt in ihrem Silberlichte

Wie ein reicher Märchentraum -

So als hundert Seelenflammen

Stellt das Schicksal uns zusammen,

Lichter uns am Lebensbaum.

 

Und wir Nachbarn in der Runde

Einen uns zum Feuerbunde:

Heller strahlt ein heitrer Glanz!

Wo der eigne Schimmer endet,

Was der andern Glut gespendet,

Wohl kein Flämmchen weiß es ganz.

 

Doch wenn eines tiefer brannte,

Schneller seine Kraft versandte,

Flackernd in die Nacht verging:

Merkt ein jedes von uns Frohen,

Die noch ruhig weiterlohen,

Was es Licht von ihm empfing!

 

Einmal dann im Dämmerraume

Am verödet düstern Baume

Brennt ein letztes noch allein,

Von sich selber nur zu zehren

In dem Dunkel, in dem leeren -

Mög′ nicht ich dies letzte sein.


Das Gedicht "Den Lichtgenossen" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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